Im Buch der Schützengesellschaft Eppan wird die 325 jährige Geschichte von 1670-1995 erzählt. Im Buch wird nicht nur die Geschichte des Schiessstandes erzählt sondern auch die des gesamten Schützenwesen im Raume Tirol seit dem 15. Jahrhundert. Auch Schützenmeister und andere Ämter werden im Buch aufgelistest. Doch nicht nur die Geschichte des Eppaner Schützenlebns und des Schiessstandes ist im Buch vertretn auch zahlreiche historische Festsscheiben von Frei- und Geburtstagsschiessen sind abgedruckt. Alle Festscheiben die abgedruckt sind können auch in unseren Schiessständen bewundert werden.
Das Buch ist auf Anfrage bei den Eppaner Sportschützen erhältlich.
Das Schiessstandbuch - 325 Jahre Schützengesellschaft Eppan
12. August 2008
Allgemeines zu den Eppaner Schießprotokollen
12. August 2008
Der Schießstand in St. Michael ist aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1670 errichtet worden. Diese Jahreszahl ist jedenfalls in den Stein über dem Eingangsportal eingemeißelt worden. Abgesehen davon scheint noch ein weiteres Indiz diese Annahme zu erhärten: Otto Stolz berichtet nämlich von dem allerdings erfolglos verlaufenen Versuch des nahegelegenen Kapuzinerklosters 1671, eine Schließung der neuerbauten Schießstätte wegen des Lörms zu erreichen. Der Schießstand in St. Michael dürfte damit wohl als das älteste, noch in Gebrauch stehende Schießhaus Südtirols zu betrachten sein.
Zurückverfolgen läßt sich der Schießsport in Eppan aber bereits bis ins 16. Jahrhundert, wie sich an der Teilnahme eines gewissen Sigmund Söll von Aichperg als Vertreter des Adels an dem großen Freischießen in Bozen am 22. Mai 1594 ersehen läßt.
Über diese frühe Periode der Geschichte des Eppaner Schützenwesens ist ansonsten aber nichts bekannt. Die wichtigsten diesbezüglichen Quellen, die Schützenprotokolle, sind erst ab dem Jahre 1722 erhalten.
Diese Schützenprotokolle sind äußerst wertvolle und interessante Dokumente. Sie enthalten nicht nur eine genaue Auflistung der einzelnen Schießen mit allen Teilnehmern und Ergebnissen, sondern liefern auch viele nützliche Hinweise über die spezielle Gestaltung des Schützenlebens in Eppan. Leider sind sie nicht lückenlos überliefert. Im Schießstandarchiv stehen die Protokolle aus den Jahren 1722 bis 1734 und von 1744 bis 1764; bis zum Jahre 1869, also über den Zeitraum von gut hundert Jahren hinweg, fehlen die Protokolle allderdings, sind aber dann bis 1915 fast vollständig erhalten.
Historische Hintergründe des Eppaner Schützenwesens
12. August 2008
Bei der Erwähnung der Tiroler Schützen denkt man meistens an den Freiheitskampf von 1809 oder an die Trachtenschützen bei kirchlichen und weltlichen Festen. Dabei trugen diesen Namen aber von Anfang an nur jene Männer, die zunächst mit der Armbrust und dann mit dem Gewehr im sportlichen Wettkampf an den Schießständen um Preise auf die Scheiben schossen.
Wer sich mit der Geschichte des Schützenwesens in Tirol vertrauter machen will, der muß sich zunächst mit der Entwicklung der Wehrverfassung dieses Landes auseinandersetzen, auf deren Eigenarten viel vom “Tiroler Selbstverständnis und Selbstbewußtsein als politischhistorische Individualität” beruht.
Die Anfänge der Tiroler Wehrverfassung gehen weit zurück. Otto Stolz verweist in diesem Zusammenhang sogar auf das kriegerische Wesen der alten Räter, der Baiern und der Schwaben im Altertum und frühen Mittelalter als eine der volkhaften Grundlagen der Wehrhaftigkeit in Tirol.
Das germanische Recht forderte nämlich eine Teilnahmealler Besitzenden, also auch der freien Bauern, am Heeresaufgebot. Bis in die Zeit Karls des Großen hatte dies Geltung. Dann aber ging die Zahl der freien Bauern stark zurück, bedingt vor allem dadurch, daß die meisten von ihnen in ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zum Adel und zur Kirche gerieten. Den Militärdienst der Könige und der Herzöge bzw. der Landesfürsten versah in der Folgezeit eine viel kleinere Zahl von gut ausgebildeten Kriegern, den Rittern, die dafür ein Lehen erhielten.
“Das Heerwesen der deutschen Stämme, die allgemeine Wehrpflicht aller grundbesitzenden Volksgenossen, auf der einen und die besondere Gefolgschaft der Herzöge und Könige, d.s. die Berufskrieger, auf der anderen Seite, setzen sich im Mittelalter, etwa vom 8. bis 13. Jahrhundert, in der Landwehr- und Landsturmpflicht der Bauern wiederum auf der einen und im Ritter- und Lehenswesen auf der anderen Seite fort.”
Die Heranziehung der Bürger und Bauern zur Landesverteidigung, einer der wesentlichen Gründe für die relativ frühe Entwicklung des politischen Selbstbestimmungsrechtes dieser unteren Stände, geht bereits auf den eigentlichen Schöpfer Tirols, Meinhard II., zurück. Um dem Adel ein wirksames Gegengewicht gegenüberzustellen, förderte er das Bürgertum in den Städten und Märkten und die Bauern, die am Ende seiner Regierungszeit direkt der Macht des Landesfürsten unterstanden, nicht wirkliche Vollfreie, aber durch das Erbpachtrecht konnten sie doch praktisch frei über Haus und Hof verfügen. Im Kriegsfall zog er sie dafür zur Verteidigung des Landes heran, vor allem, um nicht zu sehr in die Abhängigkeit des Adels zu geraten; so wurden zum Beispiel bereits 1290 die Bürger von Bozen laut einer Urkunde im Rahmen ihrer Privilegien zur Heerfahrt für den Landesfürsten verpflichtet. Nach Stolz werden in dieser Urkunde erstmals in Tirol in deutscher Sprache die Ausdrücke “Heerfahrt” und “Raise” im selben Sinn für “Kriegszug” schriftlich verwendet (“exitus contra hostes, quod vulgo dicitur hervart” und “reisa et exitus contra hostes”).
Das 14. Jahrhundert brachte dann aber einen empfindlichen Rückschlag. Die Habsburger, zu denen Tirol 1363 gefallen war, vertrauten wieder lieber dem Adel und angeworbenen Söldnerheeren als dem Volksaufgebot. Die Folgen sollten aber nicht lange ausbleiben. In der Schlacht bei Sempach vom 9. August 1386 wurden die Ritter aus Tirol und Schwaben unter Herzog Leopold III. von den eidgenössischen Fußsoldaten vernichtend geschlagen, die Einfälle der Appenzeller Bauern versetzten der Vorherrschaft des Adels den endgültigen Todesstoß.
Der neue Landesfürst Herzog Friedrich mit der leeren Tasche (1406-1439) zog aus diesen Niederlagen die Konsequenzen. Wie einst Meinhard II., stützte sich auch Friedrich im Kampf gegen die Adelsherrschaft auf Bürger und Bauern. In der Landesordnung von 1406 werden ihre Dienste anerkennend hervorgehoben, die beiden unteren Stände somit politisch aufgewertet. Und aus demselben Jahr ist uns auch das älteste Aufgebot eines Landesfürsten erhalten, nämlich für das Gericht Passeier zu einem Kriegszug in Welschtirol. “Ton und Inhalt dieses Aufgebotsschreibens von 1406 stellen außer Zweifel, daß die Wehrpflicht der Bauernschaften in Tirol zur Verteidigung des Landes schon damals eine ständige Einrichtung gewesen ist. Nur jene Bauern, die an geistliche Stifter und Adelsherren leibeigen waren, waren nicht zum Wehrdienst für den Landesfürsten, sondern nur für ihre Leibherren verpflichtet und wurden von diesen auch für ihre Fehden herangezogen”. Die Kriege, die Herzog Friedrich infolge der Ereignisse am Konstanzer Konzil 1415/16 gegen seinen Bruder, Herzog Ernst, und dann gegen einige mächtige Adelsherrn, nämlich jene von Rottenburg, von Schlandersberg und von Starkenberg, führen mußte, waren nach Erich Egg die entscheidende Stunde für den Landesherrn und für Tirol. Bürger und Bauern hielten unerschütterlich zu Friedrich und zur Einheit des Landes und kämpften an der Seite des Herzogs gegen den Adel. Als Dank dafür erhielten sie eine Vertretung bei den Landtagen. Herzog Sigmund (1439-1490) setzte die Linie der Verteidigungspolitik Friedrichs fort und bot 1487 in der Schlacht bei Calliano (unterhalb von Trient) gegen die Venezianer erstmals den sogenannten “Sturm” (später Landsturm genannt) auf. Dieser umfaßte alle Waffenfähigen der gefährdeten Südgrenze sowie die sonst nicht verpflichteten ledigen Dienstleute und Knechte.